Bürgerstiftung Tecklenburger Land
Wir helfen Menschen in Not.

Ibbenbürener Volkszeitung vom 20.04.2018

Anja weiß jetzt, was ihr Ding ist

Projekt „Alt für Jung“ der Bürgerstiftung gibt Hilfen und Orientierung

von Cornelia Ruholl
IBBENBÜREN - Ihr Fachabitur im Bereich Soziales und Gesundheit will die 18-jährige Kroatin – wir nennen sie Anja – machen. Ihre guten Noten lassen erkennen, dass sie ihren Realschulabschluss mit Qualifikation schaffen wird, sodass sie Kurs nehmen kann auf das Abitur. „Sie hat nur Zweien im Zeugnis“, freut sich Christa Terheiden mit der jungen Kroatin aus Opatija in der Region Kvarner Bucht, die vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland kam. Ihr Vater ist in einem Unternehmen im Tecklenburger Land tätig. Christa Terheiden koordiniert als Ansprechpartnerin das Projekt „Alt für Jung“ der Bürgerstiftung Tecklenburger Land. Und sie ist auch selbst als Coach aktiv, wie zum Beispiel für Anja.

In Kroatien seien sowohl das Schulsystem als auch die Struktur des Arbeitsmarktes völlig anders als hier. So sei dort der Tourismus bestimmender Motor des Arbeitsmarktes, ein Berufsfeld, das in Deutschland nicht in gleichem Maße berufliche Möglichkeiten bietet. Und die Grundschule dauert dort acht Jahre. Danach war Anja zwei Jahre lang an einer vierjährigen beruflichen Schule. Sie war in der Ausbildung zur Kommerzialistin, ein Berufsbild, das in etwa dem einer Rezeptionistin entspricht. In diesem Zusammenhang habe sie in einem Hotel mit Sterne-Küche gearbeitet, sagt Anja. Und dann war nach zwei Jahren Schluss: Umzug nach Deutschland. „Ich hatte keine Ahnung, was ich hier machen will“, sagt Anja, die inzwischen fließend Deutsch spricht. Sprache liegt ihr. „Nur Mathematik ist ein bisschen schwierig“, sagt sie. Als sie vor zwei Jahren ins Tecklenburger Land kam, sprach sie kein Wort Deutsch. Da ging es ihr wie ihren Mitschülern. „Nur ‚Hallo‘. Und Englisch hat ein bisschen geholfen“, erinnert sich Anja an die erste Zeit in der Internationalen Förderklasse, in der mit ihr „nur zwei Schüler aus Europa“ sitzen, alle anderen stammen aus dem asiatischen Raum.
Sie erinnert sich auch noch, wie es war, als ihre Eltern ihr eröffneten, dass sie mit der Familie das sonnige Kroatien verlassen und nach Deutschland gehen werde. „Am letzten Tag in meinem Land bin ich auf den Balkon gegangen und habe zwei Stunden nur geweint.“

„Ich hatte keine Ahnung, was ich machen könnte“
Anja (18)

Das ist inzwischen Vergangenheit. Anja hat wieder Perspektiven und ist inzwischen vollends angekommen in Deutschland. Nur das Wetter findet sie „ganz schrecklich“. Die Orientierung in der für sie neuen deutschen Schul- und Ausbildungslandschaft ermöglichte ihr auch Christa Terheiden, die sich als ihr ehrenamtlicher Coach von „Alt für Jung“. Sie beschreibt Anja als feinfühligen Menschen, der sich Gedanken macht und Empathie empfindet. Sie sei offen und habe ein großes Gespür für Kinder und sei gerne unter Menschen. Zu dieser Einschätzung ist sie in ihren Gesprächen mit Anja gekommen. Einige Male trafen sich Coach und Klientin in einem Café und auch per E-Mail hielten sie Kontakt. „Das hat mir sehr geholfen“, sagt Anja. Sozialpädagogik, Sozialarbeit, das sei eine Richtung, die sie sich für Anja gut vorstellen könne und der auch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt biete, meint Christa Terheiden. Aber ihr ist die Feststellung wichtig: „Ich mache Vorschläge, aber ich gebe nichts vor.“
Wenn Anja in diesem Sommer ihren Realschulabschluss mit Qualifikation am Berufskolleg in der Tasche hat, wird sie sich an der Fachoberschule Gesundheit und Soziales anmelden, um zum Fachabitur zu kommen. An welchen Schulen das möglich ist (unter anderem am Berufskolleg in Ibbenbüren), hat Christa Terheiden ihr erläutert.

Ihre Eltern stehen voll hinter Anja und unterstützen sie auf ihrem Weg. Dennoch möchte Anja neben der Schule gern jobben. In einem Ferienjob oder als Aushilfe. Bisher habe sie aber noch nichts gefunden. Anja braucht nun Christa Terheidens Hilfe nicht mehr. Und falls sie doch noch einmal Fragen hat: „Verlieren Sie meine Telefonnummer nicht“, sagt die Coachin.

Wer sich als Coach bei „Alt für Jung“ engagieren möchte, ist sehr willkommen. Ganz besonders würde man sich über weitere weibliche Coaches im Team von „Alt für Jung“ freuen. Interessierte können sich melden bei Christa Terheiden wenden, Tel. 01 51/ 74 34 21 36.



 

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