PRESSE - ARTIKEL

Ibbenbürener Volkszeitung vom 10.01.2018

Angststörungen sind häufig

Förderkreis für psychisch Erkrankte und Behinderte freut sich über Unterstützung der Bürgerstiftung

von Cornelia Ruholl

IBBENBÜREN. Für mich ist wichtig, dass die Menschen mit psychischen Erkrankungen auch mal raus kommen und in einem geschützten Raum mal Pause machen können“, sagt Ludger Börgermann, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Tecklenburger Land. Seit Jahren unterstützt die Bürgerstiftung die sommerliche Ferienfreizeit an der Nordsee, die der Förderkreis für psychisch Erkrankte und Behinderte im Kreis Steinfurt e.V. für seine Klienten anbietet. „Auf die Unterstützung der Bürgerstiftung können wir immer zählen“, sagt Neyla Yildiz, Leiterin der Kontakt- und Beratungsstelle des Förderkreises, die im Haus Große Straße 34 in Ibbenbüren zu finden ist.

Um für die kontinuierliche Unterstützung zu danken, hatte Yildiz die 1. Vorsitzende der Bürgerstiftung, Anke Rieping, sowie Schatzmeister Harald Kuschel und Geschäftsführer Ludger Börgermann in die Kontakt- und Beratungsstelle eingeladen.

Die Arbeit des Förderkreises passe gut zu den Zielsetzungen der Bürgerstiftung, erläutert Anke Rieping. Je konkreter ein Projekt, umso eher ließen sich Stifter dafür gewinnen. Insgesamt verteile die Bürgerstiftung jährlich rund 10 000 Euro für verschiedenste Einzelfallhilfen, so Börgermann. Rund 40 000 Euro an Projektmitteln kommen hinzu. Und: „Das Geld kommt nicht aus Zinserträgen, sondern das sind gezielte Spenden“, so Harald Kuschel. Das zeige unter anderem, dass die Bürgerstiftung „gut vernetzt“ sei und einen „guten Rückhalt in der Region“ habe, erläutern die Vertreter der Bürgerstiftung. Das sei ein Spezifikum im Tecklenburger Land. „Hier sind viele Menschen bereit, Geld und Zeit einzusetzen.“ Das sei Beleg dafür, dass eine „gute Atmosphäre in der Region“ geschaffen wurde.

Davon profitiert immer wieder auch der Förderkreis für psychisch Erkrankte und Behinderte. Neben der jährlichen Unterstützung von rund 1000 Euro für die Ferienfreizeit (Yildiz: „Wir versuchen immer, es für die Hälfte der eigentlichen Reisekosten anzubieten, für höchstens 200 Euro“) ist die Bürgerstiftung für Neyla Yildiz auch regelmäßig Ansprechpartner, wenn es um gezielte Einzelfallhilfen geht.
So half die Bürgerstiftung in der Vergangenheit zum Beispiel in bestimmten Fällen bei Renovierungskosten, Kosten für Möbel oder für eine Matratze. Auch bei der Finanzierung einer Namensänderung, die angesichts besonderer psychischer Belastung angezeigt war, half die Bürgerstiftung. „Wenn es sonst nirgends Zuschüsse gibt, fällt uns immer die Bürgerstiftung ein“, so Yildiz.

In den letzten Jahren habe sich die Klientel der Kontakt- und Beratungsstelle tendenziell verändert, sagt Yildiz. „Wir beobachten, dass es weniger Personen mit chronifizierten Erkrankungen sind, aber zunehmend jüngere Menschen. Wir betreuen schon Klienten ab 18 Jahren.“ Die jungen Klienten kämen „meist mit Angststörungen“. Deshalb gab es auch gerade eine Mitarbeiter-Fortbildung zum Thema „Angst“. „Viele haben eine Sozialphobie. Es fällt ihnen schwer, unter Menschen zu gehen.“ Dadurch, dass mehr jüngere Menschen kommen, seien die Erfolgsaussichten mitunter größer. „Man sieht Veränderungen.“ Die Mitarbeiter des Förderkreises begleiten und zeigen Lösungswege auf. „Aber wir erwarten Mitarbeit“, sagt Yildiz. „Nicht für, sondern mit den Menschen arbeiten wir.“

Und noch eine weitere Veränderung in ihrer Arbeit schildert Neyla Yildiz: Die jungen Klienten seien oft weniger bereit, über eine längere Zeitspanne dabei zu bleiben. Und mehr Fluktuation bedeute für die Arbeit des Förderkreises leider auch weniger Planungssicherheit.


„Es kommen zunehmend jüngere Menschen, häufig mit Angststörungen.“
Neyla Yildiz, Leiterin der Kontakt- und Beratungsstelle in Ibbenbüren.


„Es geht nur über Beziehung“

Die Kontakt- und Beratungsstelle des Förderkreises ist ein niedrigschwelliges Angebot des Förderkreises für psychisch Erkrankte und Behinderte. Neben Freizeitangeboten bietet sie Kontaktmöglichkeiten, einen Frühstückstreff, Kochgruppen, macht Bewegungs- und Kreativangebote, bietet Hilfen zur Tagesstrukturierung und Alltagsgestaltung sowie Information und Beratung zur Bewältigung von belastenden Alltags- und Lebenssituationen.
Die Hilfe des Förderkreises für psychisch Erkrankte gilt zum Beispiel Menschen mit Depressionen, Psychosen oder Diagnosen wie Borderline, Bipolarität und anderen psychischen Erkrankungen. Wie Neyla Yildiz sind die meisten der zwölf Mitarbeiter Sozialpädagogen/Sozialarbeiter. Aber auch Ergotherapeuten und Heilerziehungspfleger gehören zum Team. „Wir schauen immer, wer am besten zum jeweiligen Klienten passt“, sagt Yildiz. Das sei wichtig für den Erfolg der Arbeit, denn „es geht nur über Beziehung“.
Das Hilfeangebot steht auf drei Säulen.
Neben der Kontakt- und Beratungsstelle sind dies noch das ambulant betreute Wohnen, das Menschen mit psychischen Erkrankungen unter anderem Anleitung und Unterstützung im lebenspraktischen Bereich (z.B. Ernährung, Budgetplanung, Wohnen etc.) bietet.
Eine dritte Säule ist der Arbeitsbereich Zuverdienst, der niederschwellige Arbeitsangebote macht und durch sinnvolle und produktive Arbeiten zur Stärkung des Selbstbewusstseins beiträgt.
Der Förderkreis ist Mitglied des Deutschen Caritasverbandes sowie des Gemeindepsychiatrischen Verbundes im Kreis Steinfurt.

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Foto: Cornelia Ruholl