PRESSE - ARTIKEL

Westfälische Nachrichten vom 30.06.2007

Alten Menschen Zeit schenken

Matthias-Claudius-Haus und Bürgerstiftung Tecklenburger Land planen Senioren-Patenschaften

-jbi- TECKLENBURG. Maria Richter ist 85 Jahre alt und stammt aus Ibbenbüren-Bockraden. Zur Kurzzeitpflege, bis nächste Woche, ist die alte Dame im Matthias-Claudius-Haus und noch ganz gut zu Fuß. Margarete Haarlammert ist deutlich jünger und macht den Weg zum Matthias-Claudius-Haus (MCH) hinauf sehr häufig. Die Tecklenburgerin engagiert sich hier seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Jetzt unterhalten sich die beiden. So ein Pläuschchen unter Frauen, Maria Richter genießt es, erzählt aus ihrer alten Heimat Mettingen. Das Gespräch tut ihr gut, jemand hört zu, nimmt sich Zeit.

Genau so stellen sich die Bürgerstiftung Tecklenburger Land mit Sitz in Ibbenbüren und das MCH ihr Modell vor: ehrenamtliche Patenschaften für Senioren. Wer Zeit und Lust hat, sich sozial zu engagieren, gern einen Teil seiner Freizeit mit älteren Menschen verbringen, den MCH-Senioren einfach Zeit schenken möchte, der ist zum Mitmachen willkommen.

In den Altenheimen, auch im MCH, gibt es Menschen, die wenig oder gar keinen Besuch mehr „von draußen“ bekommen. Die Gründe sind vielfältig: Es gibt keine Angehörigen mehr oder sie wohnen weit entfernt, sind vielleicht selbst krank oder haben schlicht keine Zeit. Das bedeutet für Bettlägrige Isolation, sie können kaum am Programm des Sozialen Dienstes teilnehmen.
Aktuell 67 Jahre alt ist die jüngste Bewohnerin. Antonia Lemper als Älteste bringt es auf 101 Jahre, und der Altersdurchschnitt im Haus liegt bei 83 Jahren. Es gibt durchaus Bewohner, deren Kinder längst verstorben sind. Da zählt jeder soziale Kontakt, freuen sich die Senioren über jeden Besuch.

Als Pilotprojekt soll deshalb jetzt ein zusätzlicher Besuchsdienst aufgebaut werden. MCH-Leiterin Silke Beernink und Mitglieder der Bürgerstiftung möchten Frauen und Männer gewinnen, die auf ehrenamtlicher Basis eine Art Patenschaft für Bewohner übernehmen. Im Idealfall wären das regelmäßige Besuche, deren Häufigkeit und Dauer der „Pate“ bestimmen kann.
Dabei können diese Besuche ganz individuell gestaltet werden: Zeit schenken, zuhören, zum Erzählen einladen, den Gedanken der Alten folgen, Ängste und Sorgen hören. Bewohner freuen sich über einen Spaziergang, einen kleinen Ausflug im Rollstuhl, wenn jemand etwas vorliest, Zeit für ein Spiel oder ein gemeinsam gesungenes Lied hat. Eine Oma kann Enkel mitbringen. Im Gegenzug erfahren Paten die Freude der alten Menschen, eigene Befriedigung und die Erweiterung ihrer sozialen Kompetenz und lernen andere Paten kennen.

Von Sterbebegleitung sei gar nicht die Rede, erklärt Pflegedienstleiter Michael Huse. Dass sie sich aus Patenschaften mit alten Menschen entwickeln kann, liegt auf der Hand. Das MCH (Träger ist das Evangelische Perthes-Werk in Münster) bietet professionelle Unterstützung.

Mit Hilfe des Hospizvereins Lengerich (Vorsitzende ist Dr. Roswitha Apelt) ist ein Einführungsseminar geplant. Später werden regelmäßige Treffen der Gruppenmitglieder stattfinden. Ansprechpartner stehen also jederzeit zur Verfügung. Finanziell unterstützt wird dieses Paten-Projekt von der Bürgerstiftung Tecklenburger Land für Menschen in Not. Mitte August ist ein erstes Treffen aller Interessierten geplant. Weitere Informationen geben das Matthias-Claudius-Haus (Telefon 0?54?82/92?92-0), Manfred Schreck (Bürgerstiftung Tecklenburger Land, Telefon 05482/926674) und Dr. Roswitha Apelt (Hospizverein Lengerich, Telefon 05481/81090).

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Foto: Birgoleit