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Ibbenbürener Volkszeitung vom 25.10.2007

Marvin nimmt sich Zeit

19-Jähriger absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Haus St. Elisabeth

-al- RIESENBECK. Marvin Radig aus Birgte (19) wollte nach dem Abitur am Ibbenbürener Kepler-Gymnasium etwas anderes, etwas mit Menschen machen, bevor er ein Studium beginnt. Seit August arbeitet er im Haus St. Elisabeth in Riesenbeck als FSJler: Er absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr. Möglich wurde das durch die Bürgerstiftung Tecklenburger Land. Sie finanziert und betreut seit fünf Jahren im Rahmen ihres Projektes "Jung für Alt" Stipendien für junge Menschen, damit diese ein Freiwilliges Soziales Jahr in Altenwohnhäusern leisten können. Insgesamt 27 junge Frauen und Männer haben bereits das Angebot wahrgenommen.

Maria-Luise Lahme von der Bürgerstiftung erklärte, dass das Projekt den jungen Menschen bei der Berufsfindung helfe und ihre soziale Kompetenz fördere. Bei den Mitarbeitern und insbesondere bei den Bewohnern der Alteneinrichtungen ist Marvin willkommen und beliebt, weil er da sein kann für all das, was im eng strukturierten Heim- Alltag heute oft rar ist: für ein Gespräch, eine kleine Dienstleistung, Begleitung bei einem Spaziergang, einem Einkauf, einem Arztbesuch, in Ruhe eine Mahlzeit geben und vieles mehr. Er kann sich Zeit nehmen.

Die Bürgerstiftung finanziert zurzeit sieben dieser je einjährigen Stipendien. In 2006 wurde zum ersten Mal eine FSJ-Stelle im Wohnheim Riesenbeck eingerichtet. Die Kosten für jedes Stipendium betragen für die Bürgerstiftung jeweils 3 600 Euro im Jahr. Die FSJler erhalten ein Taschengeld und sind beim jeweiligen Träger sozialversichert. Die Nachfrage nach diesen Stipendien ist groß. Allerdings stößt die Bürgerstiftung finanziell an ihre Grenzen, zumal die Nachfrage nach Einzelfallhilfen für Menschen in Not in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat.

Im Projekt "Alt für Jung" sollen ehrenamtlich ältere "Coaches" jungen Menschen bei Problemen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben helfen. Das kostet die Stiftung Geld. Eine Stiftung darf nur die Zinserträge aus dem auf "ewig" angelegten Stiftungskapital sowie Spenden für Leistungen verwenden. Um das Projekt "Jung für Alt" mit den FSJ-Stipendien weiterführen zu können, werden daher weitere Partner oder Sponsoren gesucht. Erfreulicherweise ist es gelungen vor Ort Paten zu finden, die die Hälfte der Kosten für ein solches Stipendium aufbringen, also mindestens 1800 Euro. Das sind in Riesenbeck die Kolpingsfamilie mit August Helmig als Vorsitzendem, die Landfrauen mit der Vorsitzenden Elisabeth Kammann, Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck und ein anonymer Spender.

Die Bürgerstiftung verspricht, dass bei der Vergabe Bewerber und die Altenwohnhäuser vor Ort den Vorrang haben. Im Idealfall könne sich daraus auch ein über die einmalige Finanzierung hinausgehender Kontakt zwischen den Paten und dem Stipendiaten bzw. dem Altenheim ergeben. Die Bürgerstiftung bemühe sich immer, Ehrenamt und soziales Miteinander so wohnortnah wie möglich zu fördern.

Andreas Plietker, Leiter des Seniorenwohnheims, sagt, dass die Einstellung von Marvin wie ein Geschenk vom Christkind sei. Er und Martha Storck vom stellvertretenden Heimbeirat sowie Maria-Luise Lahme würden es auch im nächsten Jahr begrüßen, wieder eine FSJ-Stelle zu besetzen. Die Stiftung wird ehrenamtlich verwaltet. Weitere Stifter (Mindesteinlage 1000 Euro) werden gesucht und auch Spenden werden genutzt. Der Stiftungszweck ist die Hilfe für Menschen in Not

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Foto: Rita Althelmig