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Ibbenbürener Volkszeitung vom 29.10.2008

Von Roncallis Begeisterung anstecken lassen

Realschule feiert Namenspatron und wird Stifterin der Bürgerstiftung

-bii- IBBENBÜREN. Er galt als bescheiden und volksnah, brachte gleichzeitig aber den Mut mit, Grundlegendes zu verändern, und blieb trotz seines Amtes immer fest auf dem Boden. Papst Johannes XXIII., mit bürgerlichem Namen Angelo Giuseppe Roncalli, steht für Humanität, Brüderlichkeit und Frieden unter den Völkern. Sein Humor ist bis heute legendär. Gestern vor 50 Jahren wurde der Namenspatron der Roncalli-Realschule zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Für Schüler und Lehrer ein Grund zu feiern und sich zu erinnern. Zudem trat die Roncalli-Realschule gestern als erste Schule überhaupt dem Kreis der Stifter der Bürgerstiftung Tecklenburger Land für Mitmenschen in Not bei.

„Wenn ihr Roncallis Erbe lebt, ist mir um diese Schule nicht bange“, erklärte Pastor Johannes Lammers während des Festaktes der bischöflichen Realschule. Der ehemalige Pfarrer der Gemeinde St. Mauritius hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Schule 1973 nach Roncalli benannt wurde. Gestern erinnerte er an die Namensfindung.

Ein Wettbewerb habe kein Ergebnis gebracht, erzählte er. Dort seien Namen wie „Heinz-Rühmann-Schule“ vorgeschlagen worden. Gegen den Schauspieler hätte er nichts gehabt, sagte er schmunzelnd. Er sei nur einfach nicht die Leitfigur gewesen, die er sich für die damalige Mädchenrealschule gewünscht hatte. Papst Johannes XXIII. habe sich dagegen als Patron angeboten. Er war schon bei Amtsantritt ein alter Mann und stand trotzdem für Erneuerung und eine moderne Kirche. Diese Spannung zwischen Jung und Alt habe den Ausschlag gegeben. Wegen des Klangs und weil der Gedanke der Ökumene im Mittelpunkt der Schule stehen sollte, sei die Entscheidung für den bürgerlichen Namen des Papstes gefallen.

Ihren Festtag hatten Schüler und Lehrer mit einem Gottesdienst in der Mauritius-Kirche begonnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück begann die Feierstunde, die die Schulband unter der Leitung von Konrektor Bernd Isermann und Norbert Fabritius musikalisch gestaltete.

Schulleiter Frank Vosse sprach in seiner Begrüßung über das Vorbild, das Angelo Giuseppe Roncalli für seine Schüler sein könne. „Wir können uns einiges von ihm abschauen“, sagte er. „Von seiner Begeisterung sollten wir uns anstecken lassen. Heute würde man Roncalli wahrscheinlich cool nennen.“
Dass die Roncalli-Schüler ebenso wie ihr Namenspatron in der Lage sind, etwas zu bewegen, haben sie bereits bewiesen. Bei einem Sponsorenlauf um den Aasee Ende Juni erliefen sie insgesamt 3000 Euro. Die überreichten SV-Lehrer und Schülervertreter gestern in Form eines symbolischen Schecks an German Rieping und Maria-Luise Lahme, die Vorsitzenden der Bürgerstiftung Tecklenburger Land. Damit ist die Roncalli-Realschule die erste Schule unter den 160 Stiftern.

„Ihr habt eine Vorbild- und Beispielfunktion übernommen“, lobte German Rieping. Mit dem Geld der Schule liegt das Gesamtkapital der Bürgerstiftung jetzt bei 552 500 Euro. Maria-Luise Lahme erklärte, für welche Zwecke die Stiftung ihre Zinserträge einsetzt. „Oft können wir schon mit kleinen Beträgen sehr helfen“, berichtete sie. Als Beispiel nannte sie unter anderem einen Arbeitslosen, der Geld für eine Autoreparatur bekommen habe, um eine neue Stelle antreten zu können.

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Foto: Anke Beiing


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