PRESSE - ARTIKEL

Ibbenbürener Volkszeitung vom 20.12.2008

Nur eine halbe Stunde pro Woche

Neun Senioren-Paten tun im Matthias-Claudius-Haus Dienst / Bürgerstiftung dankt dem Team

-jbi- TECKLENBURG. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Ein Jahr, nach dem das Projekt „Alt für Alt“ von der Bürgerstiftung Tecklenburger Land angestoßen wurde, haben sich neun ältere Senioren-Paten gefunden, die sich freiwillig und nach eigener Zeiteinteilung wöchentlich um aktuell zehn Bewohner des Matthias-Claudius-Hauses (MCH) kümmern.

„Die Stiftung ist voller Freude, dass der Besuchsdienst funktioniert“
German Rieping


Nicht sehr viel. Menschen dauerhaft für ein Ehrenamt zu gewinnen ist nicht leicht. Noch schwieriger wird es, wenn es dabei um alte, demente Menschen geht. „Die Hemmschwelle ist einfach da“, formuliert es German Rieping, Vorsitzender der Stiftung. Aber: Diese neun Senioren-Paten leisten einen wertvollen Dienst. Sie tun das, was Pflege aus Zeitgründen kaum noch leisten kann: Zuwendung geben, reden, die Handhalten, singen, einfach nur da sein. Regelmäßig, für eine selbst festgelegte Zeit.

Demenz hin oder her, das erreiche ihre Bewohner, berichtet Heimleiterin Silke Beernink, als Rieping und weitere Vorstandsmitglieder zu Gast sind, um einige neue Spiele und Schulungs-DVDs zu übergeben. Vor ein paar Wochen hat die Stiftung einen Förderpreis von 3000 Euro beim Bürgerstiftungs-Wettbewerb der PSD-Bank Westfalen-Lippe gewonnen. Mit dem Projekt „Werden Sie Pate“ punktete die Stiftung – und gibt einen Teil des Preises nun ans MCH weiter.

Besuchsdienst für Demente? Bringt das denn was? Silke Beernink sagt, dass Bewohner gesünder würden, besser essen würden, mehr Lebensfreude empfänden. Entscheidend ist nicht, ob sie ihr Gegenüber jedes Mal erkennen. Das Durchschnittsalter im Haus liegt bei 86Jahren. Bestimmte Dinge darf man nicht mehr erwarten. Doch dringt die regelmäßig gewährte ungeteilte Aufmerksamkeit durch den Schleier der Demenz. Der Senioren-Pate erreicht „seinen“ alten Menschen emotional.

Im Gegenzug freut sich aber auch der Pate: Patin Gudrun Bovenschulte zum Beispiel War total happy, als ihr Senior ein Weihnachtslied anstimmte. Klassischer Ehrenamtsfall: Man gibt sehr viel, bekommt Aber eine ganze Menge zurück. „Die Stiftung ist voller Freude, dass der Besuchsdienst funktioniert“, betont Rieping, dessen Stiftung unterschiedliche Projekte angestoßen hat, die eines gemeinsam haben: Menschen tun uneigennützig etwas für Menschen.

Wie schwierig es ist, neue Paten zu werben, weiß auch Anneliese Bruns. Drumherumreden helfe da wenig. Ganz konkret fragen, das sei besser: „Kannst du diesem Menschen eine halbe Stunde deiner Zeit in der Woche schenken?“

Man wünscht dem Senioren-Paten-Projekt noch viel mehr Erfolg.

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Foto: Jörg Birgoleit