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Ibbenbürener Volkszeitung vom 20.05.2009

Alt für Jung: Projekt darf weiterleben

Versammlung der Bürgerstiftung

VIE - TECKLENBURGER LAND. Die wichtigste Nachricht des Abends sparte sich German Rieping für den Schluss auf. Im Haus Telsemeyer informierte der Vorsitzende der Bürgerstiftung Tecklenburger Land für Menschen in Not die anwesenden Stifter, dass das Projekt „Alt für Jung“ fortgesetzt werden kann. Bis vor wenigen Tagen noch war die Finanzierung dieses „Leuchtturmprojekts“ (Rieping) ungesichert. Bislang war es von der Aktion Mensch bezuschusst worden, die die hauptamtlichen Personalkosten trug. Doch diese dreijährige Förderung läuft zum 31. Oktober aus.

Den Fortbestand ermöglicht nun eine Kooperation der Bürgerstiftung mit dem Lions Club Tecklenburg und eine Förderung durch die Arbeitsagentur, hieß es während der Stifterversammlung am Montagabend. Diese Lösung sichert die Personalkosten der hauptamtlichen Mitarbeiterin Christa Terheiden. Sie kümmert sich um das Projekt, wird dabei von ehrenamtlichen Coaches unterstützt.

Wie erfolgreich „Alt für Jung“ arbeitet, bilanzierte Terheiden in ihrem Bericht. Etwa 100 Schüler betreut das Projekt jährlich, gut 30 ehrenamtliche Coaches wirken daran mit. 28 Jugendliche seien in eine Lehrstelle vermittelt worden, weitere in eine geeignete Schulform und einige in Maßnahmen der Arbeitsagentur. „Einige sind auch verloren gegangen“, sagte sie bedauernd. Doch in vielen Fällen ergebe sich nicht nur ein kurzer Kontakt für einen Ratschlag von den Coaches, sondern eine längerfristige Begleitung der Jugendlichen. Der Bedarf sei groß, man suche weitere Coaches.

Langfristig gedacht war auch die Wahlentscheidung, die die Stifterversammlung einstimmig traf, nachdem man zuvor mit Bürgermeister Helmut Kellinghaus das neue Mettinger Rathaus besichtigt hatte. Der seit Gründung im Jahr 2000 bestehende Vorstand mit German Rieping, Stellvertreterin Maria-Luise Lahme und Schatzmeister Ludger Lindmeyer wird von Heinz-Josef Rehers verstärkt. Das geschehe vorsorglich, sagte Rieping: „Wir werden nicht jünger.“ Worauf der 65-jährige Rehers mit einem Augenzwinkern entgegnete: „Ich bin auch nicht mehr ganz jung.“ Rehers bringt vor allem in Sachen Finanzen Erfahrung mit, arbeitete 47 Jahre bei der Sparkasse. Langfristig solle der Vorstand weiter aus drei Personen bestehen, sagte Rieping.

Dass die Finanz- und Wirtschaftskrise auch an der Bürgerstiftung nicht spurlos vorübergeht, erläuterte Schatzmeister Lindmeyer. Nach dem vergangenen Rekordjahr sei nun „eine gewisse Normalität eingetreten“, sagte er. Das liege auch am erniedrigten Zinsniveau, zu dem das Stiftungskapital – mittlerweile sind es 570 000 Euro – nur noch auf dem Geldmarkt angelegt werden kann. Aber: „Die Stiftung hat im zurückliegenden Jahr 2008 und auch bis heute trotz der Finanzkrise kein Anlage-Stiftungskapital und auch kein weiteres Kapital verloren“, hatte Rieping im Rechenschaftsbericht gesagt. „Das ist durchaus nicht selbstverständlich“, ergänzte Lindmeyer. Die konservative Anlagestrategie hat sich offenbar ausgezahlt. Die Bilanz der Bürgerstiftung ist bereits von der Bezirksregierung genehmigt. Mit acht weiteren Stiftern wuchs die Bürgerstiftung auch im vergangenen Jahr, hat nun 167 Stifter. Mit neuen Ideen für Projekte sei man aber etwas vorsichtiger. „Wir sind für 2010 etwas zurückhaltend“, sagte Rieping, auch bezogen auf das zu erwartende künftige Finanzaufkommen. Man rechnet mit geringeren Erträgen. Neben Kapitalerträgen finanziert sich die Stiftung auch aus Spenden.

Von den erfolgreichen Projekten berichtete Maria-Luise Lahme: Fünf jungen Menschen ermöglichte die Bürgerstiftung wieder, mit einem freiwilligen sozialen Jahr in Altenwohnheimen zu helfen. Und mit 10 700 Euro half die Stiftung in Einzelfällen, insgesamt 42 Mal (drei weitere Anträge passten nicht zu den Förderrichtlinien). Die Einzelfallhilfen in den finanziellen Notlagen lagen zwischen 60 und 1000 Euro. Ebenfalls auf dem Weg ist das Patenschaftsprojekt für die Bewohner von Altenheimen.

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Foto: Tobias Vieth


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