PRESSE - ARTIKEL

Ibbenbürener Volkszeitung vom 30.04.2011

Auf den Stuhl des anderen setzen

Ehrenamtliche Coaches des Projekts „Alt für Jung“ arbeiten seit fünf Jahren mit Jugendlichen

TECKLENBURGER LAND. Seit fünf Jahren gibt es das generationenübergreifende Projekt „Alt für Jung“ der Bürgerstiftung Tecklenburger Land in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der Agentur für Arbeit. Ehrenamtliche Coaches begleiten Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Mit der Projektleiterin Christa Terheiden und Coach Barbara Schneebeck sprach Claus Kossag über Erfahrungen, Ziele und Motivationen.



Was ist der Anstoß zum Projekt „Alt für Jung“?

Terheiden: Wir hören in unseren Gesprächen in den Schulen oft: „Ich weiß nicht, was ich kann, ich weiß nicht, was ich werden soll, ich weiß nicht, wie das geht.“

Wie geht ein Coach an die Aufgabe heran, einen Jugendlichen zu begleiten?

Schneebeck: Das A und O ist für mich das Gespräch. Somit verabrede ich mich mit dem Mädchen und deren Eltern/Mütter, um mich und unser Projekt noch einmal vorzustellen. Die Eltern sollen wissen, mit wem ihre Töchter unterwegs sind. Danach treffe ich mich mit den Mädchen alleine und möchte in Erfahrung bringen, welche Interessen und Neigungen da sind. Zuhören ist dabei ungemein wichtig. Etwa die Hälfte der jungen Frauen, die ich betreut habe, wusste gar nicht, welche Berufe und wie viele es gibt. Mit einem Mädchen, das Verkäuferin werden wollte, bin ich durch die Stadt gegangen und habe sie in den Geschäften auf die Vielfalt der Berufsausbildung und Möglichkeiten aufmerksam gemacht, angefangen vom Goldschmied, Buchhändler und so weiter. Herausgekommen ist, dass sie nun eine Ausbildung zur Physiotherapeutin macht.

Und wenn jemand dennoch partout nicht weiß, was er werden will?

Terheiden: Dann versuchen wir, gemeinsam mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit neue Wege aufzuzeigen. Über weitere schulische Fördermöglichkeiten und Ausbildung wird nachgedacht. Unsere Coaches leisten also auch Aufklärungsarbeit über Bildungswege und Fördermöglichkeiten.

Wie sieht es mit Wünschen und Wirklichkeit bei der Berufswahl aus?

Schneebeck: Natürlich gibt es Träume. Zum Beispiel von Berufen mit Spitzenverdiensten. Wir Coaches müssen aufzeigen, welche Wege, welche Ausbildungen für die verschiedenen Berufe notwendig sind. Und wir müssen die realistischen Chancen benennen und gleichzeitig das Selbstbewusstsein der jungen Menschen stärken. Dabei ist es mir ein Anliegen, klarzumachen, dass eine Ausbildung im Handwerk auch heute ebenso wertvoll ist wie in anderen Branchen. Wichtig ist, dass die Berufswahl in Ruhe mit genauer Überlegung erfolgt. Das braucht mal mehr, mal weniger Geduld, auch beim Coach.

Und wie sieht es mit den Eltern aus?

Terheiden: Sie werden anfangs natürlich immer mit eingebunden. Manchmal ist es schon hilfreich und wichtig, dass die Eltern erkennen, welchen Wert eine fundierte Ausbildung hat. Im Laufe des Beratungsprozesses treffen sich Coach und Schüler auch oft alleine, um Bewerbungen zu formulieren, Vorstellungsgespräche zu üben und weiteres mehr.

Frau Schneebeck, Sie sind von Anfang an dabei. Was hat sie bewogen, am Ball zu bleiben?

Schneebeck: Es macht einfach Spaß mit den Jugendlichen zu arbeiten. Um die Sichtweisen der jungen Menschen besser verstehen zu können, muss man sich auf deren Stuhl setzen, das ist für mich eine sehr positive Erfahrung, ein Geben und Nehmen. Ich denke, mit dieser ehrenamtlichen Aufgabe kann ich einige Zeit meines Alltages sinnvoll gestalten, wobei mir schon seit meiner Ausbildung als Krankenkassenfachangestellte schon immer der Kontakt zu und mit Menschen wichtig war. Und wenn man Erfolgserlebnisse hat, sieht, wie die jungen Leute mitmachen, ist das eine schöne Bestätigung und hält jung. Wir suchen daher noch weitere Frauen für unsere Aufgabe.

Wie hoch ist der Arbeitsaufwand eines Coaches?

Terheiden: Für einen Jugendlichen etwa zwei Stunden pro Woche, in der Bewerbungsphase etwas mehr, danach etwas weniger. Hinzu kommen die monatlichen Coachtreffen. Dort werden Infos weitergegeben und Erfahrungen ausgetauscht. Derzeit werden 90 Jugendliche von 35 Coaches betreut, es gibt also auch Coaches, die mehr als einen Jugendlichen begleiten. Die Coaches sind zwischen 45 und 70 Jahre alt und kommen aus allen Berufsbranchen.

Ansprechpartnerin für Interessierte, die Coach werden möchten: Christa Terheiden, 05451/968613, E-Mail buergerstiftung@skf-Ibbenbueren.de


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Foto: Claus Kossag