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Ibbenbürener Volkszeitung vom 13.03.2012

Starthilfe mit ungewisser Zukunft

„Alt für Jung“: Bürgerstiftung freut sich über erste Gesellenbriefe für Jugendliche aus Coaching-Programm

von Vera Konermann

TECKLENBURGER LAND. An das letzte Schuljahr an der Hauptschule am Aasee und die Zeit der Bewerbungen erinnert sich Nils Schmees nur zu gut. „Ich hatte das Gefühl, dass ich das allein nicht schaffe“, sagt der 19-Jährige. Heute ist er KFZ-Mechatroniker im Bereich Nutzfahrzeuge mit Gesellenbrief und Arbeitsvertrag in der Tasche. Der junge Mann hat es geschafft – dank der Unterstützung von Hermann Middendorf, ehrenamtlicher Coach im Projekt „Alt für Jung“ der Bürgerstiftung Tecklenburger Land. In diesen Tagen haben die ersten Teilnehmer des fünfjährigen Programms ihre Berufsausbildungen abgeschlossen. Doch die Starthilfe der Bürgerstiftung steht selbst vor einer ungewissen Zukunft.
Der Zuschuss der Agentur für Arbeit – er deckt die Hälfte der Kosten – ist angesichts der guten Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nur noch bis Juli gesichert. Prognose hin oder her. Heinz-Josef Rehers, Vorstand Bürgerstiftung, bleibt dabei: „Die Notwendigkeit unseres Coaching-Programms ist da. Viele Jugendliche brauchen Hilfe.“
So wie einst Nils Schmees. Mit Hermann Middendorf überlegte er zunächst, in welcher Branche er arbeiten wolle und welche Betriebe es gibt. Er ging mit seinem Coach Bewerbungen durch, übte Vorstellungsgespräche. Mit dieser Sicherheit im Rücken klappte es mit dem Lehrvertrag bei Achterkamp + Heger in Laggenbeck.
„Viele Schüler sind einfach unsicher. Sie haben zu wenig Selbstvertrauen“, nennt Middendorf typische Startprobleme von Jugendlichen. Bei anderen seien es schlechte Schulzeugnisse, zu wenig Unterstützung aus dem Elternhaus, gesundheitliche Probleme, weiß Coach Konrad Bertels. Und: „Die Motivation“, betont Coach Edgar Siegmund. Mangelnde Motivation sei wesentlich schlimmer als manche Wissenslücken.
Über fehlendes Engagement brauchte sich Siegmund bei seinem Schützling Andreas Neumann keine Sorgen zu machen. Der ehemalige Hauptschüler konnte nur nicht benennen, was er werden wolle. Mit Edgar Siegmund entdeckte er den Metallbauer für sich. Dank seines Mentors fand er die Ausbildungsstelle im Bauunternehmen Börgel. Arbeitgeber Börgel und Siegmund sind gute Bekannte.
Dass Andreas einen Coach an der Seite hatte, sei für ihn nie ein Problem gewesen, sagt Börgel. „Das ist nichts Schlechtes. Dann hat man wenigstens einen Ansprechpartner“, so der inzwischen pensionierte Bauunternehmer. Das sieht auch Werner Gosejohann, Geschäftsführer der KGT GmbH in Ibbenbüren, so. Mit seinem derzeitigen Schützling aus dem „Alt für Jung“-Programm habe es keinen Tag Probleme gegeben, lobt Gosejohann seinen frisch gebackenen Gesellen.
Das Erfolgsrezept der Coaches kennt auch Markus Ruten, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Ibbenbüren. „Die Nähe, die die Coaches zu den Jugendlichen und deren Familien haben, können wir nicht leisten.“
Gleich zwei Mal bekam Sven Bäumer (20) Hilfe von Konrad Bertels. Nachdem er eine Lehrstelle im Handwerk hatte, erkrankte er an Rheuma. Schließlich half Bertels, die heutige Lehrstelle zum Groß- und Außenhandelskaufmann zu finden. Die Abschlussprüfung ist im Frühjahr. Schon jetzt, so Sven Bäumer, habe er die Aussicht auf Übernahme im Betrieb. Seine Perspektive dürfte rosiger sein als die des Coaching-Programms.

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Foto: Vera Konermann