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Ibbenbürener Volkszeitung vom 26.05.2012

Ein Projekt „für die Ewigkeit“

Vorsitzender der Bürgerstiftung Tecklenburger Land zieht eine Zwischenbilanz

TECKLENBURGER LAND. Seit zwölf Jahren setzt sich die Bürgerstiftung Tecklenburger Land für Mitmenschen ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Mit dem Vorsitzenden German Rieping sprach Claus Kossag über die Zwischenbilanz und die Aussichten der Stiftung.

Die Bürgerstiftung hat aktuell 190 Stifter, verfügt über ein gebundenes Stifterkapital in Höhe von 633 000 Euro und 93 700 Euro variables Eigenkapital. Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Rieping: Bei der Gründung betraten wir völliges Neuland, insofern waren die Erwartungen offen. Unser erstes Ziel war eine Million DM, die haben wir längst übertroffen. Jetzt peilen wir natürlich die (erste) Million Euro an. Das Stiftungskapital ist aber nur eine Säule. Eben so wichtig sind die Initiativen und Projekte, bei denen es mehr um das „Zustiften“ von Ideen und ehrenamtlicher Mitarbeit ganz vieler Menschen geht. Die Grundkosten, die natürlich auch entstehen, versuchen wir mit Spenden zu bestreiten.

Die Entwicklungen auf den Finanzmärkten lassen keine allzu guten Zinsentwicklungen erwarten. Ein Problem für die Stiftung?

Rieping: Natürlich! Schließlich ist die gesetzliche Grundlage einer Stiftung, den Stiftungszweck aus den Kapitalerträgen zu finanzieren. Immerhin hat die Bürgerstiftung Tecklenburger Land aber – im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungen – ihr Kapital so sicher angelegt, dass wir keine Verluste hatten. Es ist aber richtig, dass es momentan kaum Anlagemöglichkeiten gibt, die sicher sind und trotzdem gute Zinserträge bringen.

Die Projekte wie „Alt für Jung“ oder „Wir für Kinder“ hängen stark ab von Fördermitteln. Wie sehen hier die Perspektiven aus?

Rieping: Die „Aktion Mensch“ hat „Alt für Jung“ von 2006 bis 2009“ gefördert. Das war ein Zuschuss zu den Personalkosten der hauptamtlichen Halbtags-Projektleiterin. Die Arbeitsagentur beteiligt sich seit 2009 zu 50 Prozent an diesen Personalkosten. Diese Förderung läuft im Juli 2012 aus. „Wir für Kinder“ wird seit 2011 von der „Aktion Mensch“ gefördert. Diese Förderung läuft 2013 aus. Ob die Bürgerstiftung dann beide Projekte im bisherigen Umfang fortführen kann, ist noch nicht sicher, die Verantwortlichen arbeiten daran. Ohne neue Spenden und Sponsorenmittel ist die Weiterführung der Projekte in Gefahr.

Bei den Einzelfallhilfen war zuletzt steigender Bedarf erkennbar. Hält der Trend an? Wem wird geholfen?

Rieping: Ja, der Trend hält an. Ob es an zunehmender Armut liegt, oder auch die wachsende Bekanntheit der Bürgerstiftung eine Rolle spielt, kann ich mit letzter Gewissheit nicht sagen. Im Jahr 2011 gingen bei der Stiftung 55 Anträge ein, die meist von sozialen Trägern bzw. Diensten für Menschen gestellt werden, die von diesen betreut werden. Die Stiftung prüft jeden Einzelfall und hilft nur dort, wo andere Hilfen und Eigenmittel ausgeschöpft sind. Auch ein Einkommensnachweis wird gefordert. Die Gründe für die finanziellen Notlagen der Menschen sind vielfältig und doch oft ähnlich: Krankheit, Verlust der Arbeit und keine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz, zerbrochene Familien, psychische Probleme, immer mehr auch Menschen, die nicht in der Lage sind, ihr eigenes Leben zu meistern. Die Unterstützung der Stiftung erfolgt einmalig, auch als Darlehn. Im vergangenen Jahr lagen die Hilfen im Einzelfall zwischen 100 und 1000 Euro.

Wie steht es um die Spendenbereitschaft der Region?

Rieping: Ausreichend gut. Der Stiftung kommt nach zwölf Jahren Bestehen und guter Öffentlichkeitsarbeit sicher ein relativ hoher Bekanntheitsgrad zugute. Auch das persönliche Engagement vieler Stifter und ehrenamtlicher Mitarbeiter zahlt sich aus. Besonders freut sich die Stiftung, wenn sie zu Geburtstagen, Firmenjubiläen oder in Trauerfällen mit Spenden bedacht wird. Einen professionellen Fundraising-Apparat mit ständigen „Bettelbriefen“ kann und will die Stiftung jedoch nicht unterhalten. Sinn jeder Stiftung ist Nachhaltigkeit, Stiftungskapital soll und muss ja „für die Ewigkeit“ bereitgestellt werden. So ist die Bürgerstiftung eine gute Adresse, wenn jemand mit seinem Geld auch nach dem Tod noch Gutes bewirken will. Die Stiftung verfügt bereits über mehrere testamentarische Verfügungen. Wir gehen davon aus, dass diese Möglichkeit mittelfristig von immer mehr Menschen genutzt wird.

Eine Verjüngung des Vorstandes ist vorbereitet. Welche Impulse erwarten Sie?

Rieping: Neue Besen kehren gut! Und: Ein jedes Ding hat seine Zeit.

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